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Beißhemmung beim Welpen richtig trainieren

Ein Welpe zieht ein, und plötzlich hängen spitze Zähnchen an Händen, Hosenbeinen und Sofakissen. Für viele neue Halter ist das die erste echte Herausforderung. Die gute Nachricht: Dein Welpe ist weder bösartig noch respektlos. Er erkundet die Welt mit dem Maul, so wie wir mit den Händen. Der Fang ist sein wichtigstes Tastorgan, und gerade Retriever sind dabei oft besonders gründlich.

Warum Welpen beißen

Eine Beißhemmung bringt ein Welpe nicht von Geburt an mit. Wie fest er zubeißen darf, lernt er erst im Spiel mit Geschwistern, der Mutter und anderen Hunden, und später auch bei uns Menschen. Wenn es wehtut, endet das Spiel, und das merkt er sich. Dazu kommt der Zahnwechsel, der meist mit etwa vier bis sechs Monaten beginnt. Das juckende Zahnfleisch verstärkt den Drang, auf allem herumzukauen. Und häufig steckt hinter dem ständigen Zwicken schlicht Übermüdung, bei der der Welpe seine Erregung nicht mehr selbst regulieren kann (mehr dazu in unserem Beitrag zu den wilden fünf Minuten).

Was du besser lässt

Hektische Bewegungen, laute Schreie oder das schnelle Wegziehen der Hand machen die Sache meist schlimmer. Für viele Welpen wirkt das wie ein spannendes Beutespiel, und sie beißen dann erst recht zu. Manche reagieren zwar auf ein kurzes, leises „Aua“ mit einer Pause, aber wenn dein Welpe dadurch eher aufdreht, lass es. Schnauze zuhalten, Festhalten oder Schimpfen helfen nicht und können das Vertrauen belasten.

So trainierst du es

  1. Handlungsruhe bewahren: Wenn die Zähne die Haut berühren, erstarre ruhig, statt die Hand wegzuziehen. Ohne Bewegung wird das Beißen für viele Welpen schnell langweilig.
  2. Eine Alternative anbieten: Halte ein geeignetes Kauspielzeug bereit und tausche die Hand dagegen aus. Lob ihn, sobald er das Spielzeug nimmt. So lernt er, wohin er beißen darf.
  3. Sanftes Spiel belohnen: Spielt dein Welpe mit der Hand, ohne fest zuzudrücken, ist das ein guter Moment für Lob. Er lernt, dass vorsichtiges Mundverhalten sich lohnt.
  4. Kurze Pause bei schmerzhaftem Biss: Sobald die Zähne unangenehm fest zufassen, sagst du ein neutrales Wort wie „Schluss“, stehst auf und wendest dich etwa 20 Sekunden ab. Bleib dabei ruhig und ohne Blickkontakt. Danach geht es entspannt weiter. Dein Welpe verknüpft so: Zähne an der Haut beenden die Aufmerksamkeit. Die Pause ist keine Strafe, sondern ein ruhiges Ende des Spiels.
  5. Bei starker Erregung Abstand schaffen: Gelingt es ihm nicht, sich zu beruhigen, verlasse kurz den Raum oder bring ihn an seinen Ruheplatz. Oft ist er schlicht müde und braucht Schlaf.

Gut zu wissen

Beißhemmung entsteht nicht über Nacht. Es braucht Wiederholung, und alle im Haushalt sollten dieselben Regeln beachten. Vor allem bei Kindern lohnt es sich, ruhige Abläufe zu üben und Spiel und Pausen zu begleiten. Wenn dein Welpe sehr fest zubeißt, kaum zu stoppen ist oder dich verletzt, lass das bei der Tierärztin abklären und such dir die Unterstützung einer erfahrenen Hundetrainerin, die mit positiver Verstärkung arbeitet.